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Karl Jauslin und die zwei Uhren am Bahnhof SBB

Am Donnerstag, dem 05.06.2025, informierte der Historiker Benedikt Meyer über Merkwürdigkeiten in der Geschichte.

Von Axel Mannigel

Eigentlich sei er ja krank, so der Historiker, Kabarettist und Autor, aber der Abend in Muttenz, das schaffe er schon. Zwei Aufführungen gab es, beide restlos ausverkauft, eine öffentliche und eine für den Förderverein Museen Muttenz, der den Anlass zusammen mit der Bibliothek veranstaltet hatte. Einen «Tausendsassa» hatte Bibliotheksleiterin Janine Steiner Meyer genannt, aber auch als solcher musste er zugeben, dass die Vorbereitung aufgrund der Krankheit eher kurz ausgefallen war.

Kurz rückte er noch den Beamer zurecht, dann ging es auch schon los, mit lustigen Ereignissen aus der Vergangenheit. Dass das Kabarett dafür im Bauernhausmuseum stattfand, war ob des historischen Bezugs gar nicht mehr verwunderlich.

Denn das gute alte Bauernhaus hatte ja die Zeiten erlebt, in denen am Bahnhof SBB zwei Uhren hingen (sie hängen immer noch), die aber beide eine andere Zeit zeigten. «Manchmal wacht man mitten in der Nacht auf und fragt sich, warum eigentlich?», so begann Benedikt Meyer seine rund 60-minütige Geschichtsstunde: «1844 ist der erste Zug über Schweizer Boden gefahren und das zwischen Basel und Mulhouse.» Damals habe jeder Ort seine Lokalzeit gehabt, 12 Uhr am Mittag war dann, wenn die Sonne ihren höchsten Stand hatte.

Das konnte jedoch nicht für die Eisenbahn gelten, weswegen es früher oder später die Eisenbahnzeit gab. Jedoch erst nur für gewisse geografische Einheiten, etwa die Schweizerische (Bern) und die französische (Paris) … Meyer traf mit seinen Beobachtungen immer wieder den Nagel auf den Kopf und durch seine pointierte Ausdrucksweise sowie Theatralik erhielten die Schilderungen einen durchaus heiteren Anstrich.

Das galt auch für den Muttenzer Historienmaler Karl Jauslin, dessen Werke Meyer auseinandernahm und genüsslich sezierte. Dabei stellte er fest, dass Jauslin eigentlich ein Werbemaler war, der die Geschichte so darstellte, wie sie gut rüberkam, nicht, wie sie wirklich war. Er vermittelte Gefühle, keine Fakten, keine Dramatik war gross genug.

Dramatisch war eigentlich alles, von dem Meyer an diesem Abend erzählte, auch das Wandbild der Handelsschule im Gellert (Stalin!), das Muttenzer Original Tschuppel Däni oder die Schlacht an der Hülftenschanz (gab es nicht). Meyer ist einer, dem man stundenlang zuhören kann, ein Anekdotenerzähler durch und durch. Da fiel es irgendwann auch nicht mehr auf, dass ein Fuchs seinen eindringlichen Markierungsgeruch im Bauernhausmuseum hinterlassen hatte … Klare Empfehlung: Wenn Sie die Möglichkeit haben, Benedikt Meyer zu erleben, gehen Sie hin!

 

Benedikt Meyer in der Schlacht: Karl Jauslin malte Bilder, die Gefühle transportieren.

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